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zweimal in ein Auto kracht

Geschrieben von Doris Dübbert am . Veröffentlicht in Sachversicherung

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Unter welchen Voraussetzungen

darf ein Versicherer von einem gestellten Kfz- Unfall ausgehen?

Für die Annahme eines gestellten Kfz-Unfalls reicht eine auf eine ungewöhnliche Häufung von Beweiszeichen gestützte, erhebliche Wahrscheinlichkeit aus, dass es sich nicht um einen echten Unfall gehandelt hat.

Das hat das Landgericht Osnabrück mit Urteil vom 22. Februar 2007 (Az.: 5 O 1452/06) entschieden.

Doppelter Anstoß

Die in Polen lebende Klägerin hatte ihren Mercedes zu nächtlicher Stunde ordnungsgemäß am Straßenrand geparkt.

Kurz darauf krachte ein nahezu wertloser, 17 Jahre alter Audi in das Fahrzeug und verursachte einen Schaden in Höhe von knapp 13.000 Euro. Das Fahrzeug des Unfallverursachers war gestohlen worden, der Fahrer nicht zu ermitteln.

Ein Sachverständiger stellte fest, dass der Dieb mit dem Audi nicht etwa einmal, sondern gleich zweimal hintereinander gegen den Mercedes geprallt sein musste. Und erst der zweite Anprall habe den erheblichen Schaden verursacht. Der Sachverständige ging daher von einer vorsätzlichen Handlung des Unfallverursachers aus.

Verabredung zwischen Geschädigter und Unfallverursacher?

Der Halter des Audis konnte nachweisen, sein Fahrzeug ordnungsgemäß gesichert abgestellt und auch sonst nichts mit dem Unfall zu tun zu haben.

Daher vermutete der Kfz-Haftpflichtversicherer des Audis, dass der Unfall durch Verabredung zwischen der Geschädigten und dem unbekannten Fahrer des Audis vorsätzlich herbeigeführt wurde, um eine Entschädigung durch die Versicherung zu kassieren. Er lehnte daher eine Schadenregulierung ab.

Die daraufhin von der Halterin des Mercedes eingereichte Klage wurde vom Landgericht Osnabrück als unbegründet zurückgewiesen.

Berliner Modell

Grundsätzlich, so das Gericht, ist eine Haftung immer dann ausgeschlossen, wenn ein Versicherungsfall im Sinne von Paragraf 152 VVG (Versicherungsvertrags-Gesetz) vorsätzlich herbeigeführt wird. Dieser Haftungsausschluss gilt auch dann, wenn der Schaden vorsätzlich durch einen unberechtigten Fahrer verursacht wird.

Denn ein Versicherer darf im Fall eines vorsätzlich handelnden Schwarzfahrers nicht schlechter gestellt sein als bei einer vorsätzlichen Schadenverursachung durch den Versicherungsnehmer.

Der Versicherer hatte in der zu entscheidenden Sache nach Überzeugung des Gerichts aber einen weiteren Grund, die Schadenregulierung abzulehnen. Denn nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sprachen gleich mehrere Indizien dafür, dass der Unfall mit Wissen der Klägerin vorsätzlich nach dem sogenannten Berliner Modell verursacht wurde.

Raffinierter Trick

Unter diesem Modell wird die verabredete, vorsätzliche Beschädigung eines abgestellten Fahrzeuges durch einen gestohlenen Pkw verstanden. Anschließend wird dieser an Ort und Stelle zurückgelassen, um dessen Haftpflichtversicherung in Anspruch nehmen zu können.

Diese Methode hat nach Aussage des Gerichts für die unmittelbar Beteiligten den Vorteil, dass mangels Feststellbarkeit des Fahrers keine Beziehung zwischen diesem und dem Geschädigten nachgewiesen werden kann.

Für einen Unfall nach dem Berliner Modell spricht nach Überzeugung des Gerichts die Tatsache, dass der Schaden zweifelsohne absichtlich verursacht wurde. Das aber macht wirtschaftlich nur dann Sinn, wenn es vorher mit der Klägerin verabredet war, um anschliessend die Versicherungsleistung zu kassieren.

Ungewöhnliche Häufung von Beweiszeichen

Auch gebe es keinen nachvollziehbaren Grund dafür, dass ein Täter ausgerechnet ein mehr oder weniger wertloses Fahrzeug gestohlen hat. Es sei denn, er wollte es, wie im vorliegenden Fall, für einen vorsätzlich herbeigeführten Unfall einsetzen.

Für die Annahme eines gestellten Kfz-Unfalls reichen nach ständiger Rechtsprechung eine ungewöhnliche Häufung von Beweiszeichen sowie eine erhebliche Wahrscheinlichkeit dafür aus, dass es sich um keinen echten Unfall gehandelt hat, so das Gericht. Deshalb war die Klage zurückzuweisen.

Die noch nicht rechtskräftige Entscheidung kann im Volltext auf den Internetseiten des Gerichts nachgelesen werden.

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