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BU, EU, wenn Computerarbeit zur Qual wird

Geschrieben von Doris Dübbert am . Veröffentlicht in Versicherung News

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Sind Mitarbeiter an Bildschirm-Arbeitsplätzen berufsunfähig

wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, eine Tastatur zu bedienen?

Ist eine Angestellte

die an einem Bildschirm-Arbeitsplatz arbeitet, gesundheitlich nicht mehr in der Lage, eine Tastatur zu bedienen, so ist sie berufsunfähig und kann Leistungen aus ihrer privaten Berufsunfähigkeits-Versicherung beanspruchen. Das gilt auch dann, wenn die reinen Schreibarbeiten weniger als 50 Prozent ihrer Tätigkeit ausgemacht haben.

Das hat das Oberlandesgericht Hamm mit einem kürzlich bekannt gewordenen Urteil vom 10. Mai 2006 ( Az.: 20 U 70/05 ) entschieden.

Chronische Gelenksentzündung

Die Klägerin war als Angestellte an einem Bildschirmarbeitsplatz beschäftigt. Anders als eine Schreibkraft musste sie nicht ununterbrochen tippen. Ihre Tätigkeit bestand vielmehr darin, Zahlen und kurze Texte einzugeben und Berechnungen vorzunehmen. Dazu war unter anderem ein häufiger Wechsel zwischen verschiedenen Programmen und Dateien mit Hilfe der Tastatur nötig.

Phasen, in denen sie im Wesentlichen Bildschirminhalte hätte lesen und die Tastatur nur vereinzelt nutzen müssen, gab es nicht.

Wegen einer chronischen Gelenksentzündung war die Klägerin nicht mehr in der Lage, eine Computertastatur auch nur ansatzweise schmerzfrei zu bedienen. Sie machte daraufhin Ansprüche aus zwei bei der Beklagten abgeschlossenen privaten Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung geltend.

Verweis auf technische Möglichkeiten

Doch die Versicherung erhob den Einwand, dass die Versicherte nicht nachgewiesen habe, dass die Betätigung der Computertastatur mehr als 50 Prozent ihrer Tätigkeit ausmachte. Im Übrigen sei es technisch kein Problem, eine Tastatur weitgehend durch eine Computer-Maus zu ersetzen.

Mit ihrer gegen diese Entscheidung gerichteten Klage hatte die Versicherte Erfolg. Nach Überzeugung des Gerichts ist die Klägerin zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig. Sie hat somit in vollem Umfang Anspruch auf Leistungen aus ihren Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen.

Eine Frage der Gesamtbetrachtung

Auf die Frage, wie groß der Anteil der reinen Tastaturbedienung an der Gesamttätigkeit der Klägerin war, kommt es nach Auffassung der Richter nicht an. Entscheidend ist ausschließlich, dass die von der Klägerin in gesunden Tagen verrichtete Tätigkeit am Computer mehr als 50 Prozent ihrer Gesamttätigkeit ausmachte. Dazu aber gehörte auch die regelmäßige Bedienung der Tastatur.

Nach Aussage eines vom Gericht befragten, medizinischen Sachverständigen ist der Klägerin jede PC-Tätigkeit nicht mehr möglich, die sich nicht im Wesentlichen auf das Lesen von Bildschirminhalten beschränkt, sondern immer wieder die Benutzung der Tastatur erfordert.

Fehlender Beweis

Den Einwand des beklagten Versicherers, dass es technisch möglich sei, die Tastatur weitgehend durch eine Computer-Maus zu ersetzen, ließ das Gericht nicht gelten. Denn nach Aussage der Richter hätte der Versicherer beweisen müssen, dass die Klägerin beziehungsweise ihr Arbeitgeber dazu in der Lage gewesen wären, den von der Klägerin benutzten Computer entsprechend umzuprogrammieren. Diesen Nachweis habe er aber nicht erbracht.

In einem solchen Fall hätte im Übrigen geklärt werden müssen, ob die Klägerin gesundheitlich überhaupt in der Lage gewesen wäre, ständig mit einer Computer-Maus zu arbeiten, so das Gericht. DAS Netzwerk Dübbert und Partner, Kontaktformular