31. Dezember 2007
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Versicherungen -
Finanzen
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Gesunder Menschenverstand
der beste Helfer bei Geldgeschäften
Autor: Volker Looman
30. Dezember 2007 Die Finanzberatung in Banken, Bausparkassen und bei Versicherern sorgt bei vielen Privatanlegern jedes Jahr für großen Ärger. Im Mittelpunkt stehen zwei Vorwürfe.
Das ist auf der einen Seite die Aussage
dass die Gesellschaften gar nicht beraten, sondern zielgerichtet Produkte verkaufen. Und das ist auf der anderen Seite das Gefühl, dass sich die Unternehmen mit hohen Gebühren und Provisionen eine goldene Nase verdienen. Die Vorwürfe sind, wie Testkäufe und Untersuchungen neutraler Einrichtungen beweisen, nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem ist die Kritik in vielen Fällen unfair, weil es absurd ist, von der Finanzindustrie besonderes Wohlverhalten zu erwarten.
Banken, Bausparkassen
und Versicherer sind keine Samariter, sondern Unternehmen, die auf ihren Vorteil bedacht sind, und solange die Anleger kostenlose Beratung erwarten, müssen sie mit den gegenwärtigen Verhältnissen zufrieden sein. Daran wird auch das neue Anlegerschutzgesetz aus Brüssel, Markets in Financial Instruments Directive (MiFID), das seit dem 1. November 2008 in Kraft ist, nicht viel ändern. Erstens gilt die Bestimmung nur für den Wertpapierhandel, und zweitens schützt die Verordnung private Anleger nicht davor, auch in Zukunft falsche Finanzprodukte zu hohen Preisen zu kaufen.
Das Sparen bei den Junioren ein Reizwort ist
Der richtige Umgang mit Geld besteht bei nüchterner Betrachtung der Dinge aus zwei Abschnitten. Erst kommt die Konzeption, dann folgt die Kondition. Zunächst geht es um die Strategie, wie ein Problem gelöst wird, wie zum Beispiel das Eigenheim finanziert oder die Altersvorsorge gestaltet wird. Danach stellt sich die Frage, bei welchem Anbieter die benötigten Produkte eingekauft werden. Gegen diese simple Erkenntnis verstoßen aber jeden Tag viele Anleger. Sie fällen ihre Entscheidungen zwischen Tür und Angel, oder sie gehen einem Verkäufer auf den Leim, der ihnen das -Paradies auf Erden- verspricht. Gegen mangelnde Sorgfalt im Umgang mit Geld ist aber - um es vorsichtig auszudrücken - kein Kraut gewachsen, so dass die MiFID eine stumpfe Waffe bleiben muss.
Zum Thema
Sparen ist zum Beispiel für viele Junioren ein Reizwort, weil der Hang zum Konsum stärker ist. Trotzdem führt an Sparverträgen kein Weg vorbei, wenn eines Tages bestimmte Wünsche verwirklicht werden sollen. Wer in einigen Jahren ein Eigenheim bauen will, muss frühzeitig Geld auf die Seite legen, doch in welchen Topf? Ist ein Banksparplan sinnvoll, oder ist ein Bausparvertrag vorteilhafter? Die richtige Antwort hierauf kann weder von der Bank noch von der Bausparkasse erwartet werden, weil beide Parteien kein Geld für unabhängige Beratung, sondern für den Verkauf ihres Produktes bekommen. Bei der Lösung des Problems wird der unkundige Sparer auch in Zukunft auf der Strecke bleiben, weil sich die MiFID um so etwas nicht einmal in Ansätzen kümmert.
Probleme, Gestaltung der Altersvorsorge
Ähnlich sieht es bei der Aufnahme von Darlehen und Krediten aus. Wer heute Geld benötigt, um ein Haus oder eine Wohnung zu bezahlen, hat weniger die Qual der Wahl, sondern eher die Wahl der Qual. Er kann das Darlehen bei der Bank aufnehmen, er kann sich die Hypothek bei der Bausparkasse besorgen, oder er kann den Kredit bei dem Versicherer beantragen. Das vertrauensvolle Gespräch mit den Beratern dieser Unternehmen mag in menschlicher Hinsicht ein Gewinn sein, doch in finanzieller Hinsicht sollte sich der Anleger keine Illusionen machen und schon gar nicht auf den Gesetzgeber bauen. Kredite werden von der MiFID nicht erfasst. Von der Preisangabenverordnung werden Kredite und Geldanlagen so stiefmütterlich behandelt, dass die alte Regel bestehen bleibt: Jeder Verkäufer hat seinem Herrn zu dienen, doch nicht jeder Anleger muss glauben, was ihm ein Verkäufer erzählt. Der gesunde Menschenverstand ist und bleibt der beste Helfer bei Geldgeschäften.
Bei der Gestaltung der Altersvorsorge
hören die Probleme nicht auf. Wenn jeden Monat ein bestimmter Betrag auf die Seite gelegt werden soll, stellt sich schnell die Frage, in welchen Strumpf das Geld gesteckt werden soll. Ist eine Rentenversicherung (bAV) sinnvoll? Was ist von Investmentfonds zu halten? Wie sieht es mit einer Immobilie aus? In solchen Lebenslagen wenden sich einzelne Anleger zum ersten Mal an freie Vermittler, weil sie sich dort neutralen Rat erhoffen. Meistens kommen sie dabei allerdings vom Regen in die Traufe, weil sich die Verhältnisse nicht geändert haben. Vermittler leben vom Abschluss nahrhafter Finanzverträge und nicht vom Verkauf neutraler Ratschläge.
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