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Keine Narrenfreiheit für unschuldige Unfallopfer

Geschrieben von Doris Dübbert am . Veröffentlicht in Sachversicherung

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Unfallopfer haben keine Narrenfreiheit.

Dass auch ein unschuldiger Unfallgegner seinen Ersatzanspruch komplett verliert, wenn er Vorschäden geltend machen will, die nicht durch den Unfall entstanden sind, musste jetzt ein Autofahrer vor Gericht erfahren.

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Keine Narrenfreiheit, auch nicht bei unschuldigen Unfallopfern

Steht unzweifelhaft fest, dass ein unschuldig in einen Unfall verwickelter Autobesitzer Schäden geltend macht, die unmöglich durch das Ereignis entstanden sein können, so kann er seine gesamten Ersatzansprüche verlieren. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Bielefeld hervor (Az.: 8 O 303/03).

Ein Autofahrer war mit seinem Mercedes Opfer eines Unfalls geworden, weil ihm ein aus einer Grundstückseinfahrt kommender Pkw-Fahrer in die rechte Seite seines Autos fuhr. Den gebrauchten Mercedes hatte der Kläger erst kurze Zeit zuvor erworben.

Ein Sachverständiger schätzte die Reparaturkosten auf rund 8.500 Euro und den Wiederbeschaffungswert auf knapp 14.000 Euro.

Nur wenige Tage später veräußerte das Unfallopfer das Auto in unrepariertem Zustand an einen auf Unfallfahrzeuge spezialisierten Im- und Exporthändler und forderte von dem Versicherer die Erstattung der vom Sachverständigen geschätzten Reparaturkosten.

Erhebliche Bedenken

Doch nach Auswertung der von dem Gutachter gefertigten Fotos des Unfallfahrzeuges hatte der Versicherer erhebliche Bedenken zur Schadenhöhe. Eine von ihm geforderte Nachbesichtigung durch einen eigenen Sachverständigen scheiterte an dem zwischenzeitlichen Verkauf des Fahrzeugs.

Der Versicherer legte das Erstgutachten daraufhin einem weiteren Sachverständigen vor. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass die darin genannten Beträge deutlich überhöht waren. Die Reparaturkosten schätzte dieser Sachverständige auf rund 4.600 Euro, den Wiederbeschaffungswert auf 7.300 Euro.

Der Sachverständige kam außerdem zu dem Schluss, dass das Schadenbild eindeutig für zwei unterschiedliche Unfälle sprach. Der Versicherer lehnte es daraufhin ab, den Schaden zu regulieren.

Zwei unterschiedliche Schadenereignisse

In seiner gegen diese Entscheidung gerichteten Klage beharrte der Mann darauf, dass der Mercedes beim Kauf keinerlei sichtbare Schäden aufgewiesen hatte. Bei dieser Behauptung blieb er auch noch, als ein vom Gericht beauftragter Gutachter die Vermutung seines Kollegen bestätigte und ebenfalls feststellte, dass die Schäden an dem Unfallfahrzeug eindeutig von zwei unterschiedlichen Schadenereignissen herrühren mussten.

Nach den Feststellungen des Sachverständigen sprach das Schadenbild bei oberflächlicher Betrachtung zwar für ein Schadenereignis. Bei genauer Betrachtung war aber unzweifelhaft feststellbar, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Unfälle gehandelt haben musste.

Denn während der eine Schaden durch einen fast punktuellen Anstoß entstanden war, wies der zweite Schaden eine Ausrichtung von vorne nach hinten aus, eine Beschädigung die nach Ansicht des Sachverständigen zum Beispiel bei einem zu engen Umfahren eines festen Hindernisses entstanden sein konnte.

Keinerlei Anspruch

Da das Gericht keinerlei Zweifel an der Aussage des erfahrenen Gutachters hatte, ging es davon aus, dass der Autofahrer die Unwahrheit sagte.

Ein Geschädigter verliert seine Schadenersatz-Ansprüche aber insgesamt, wenn sich herausstellt, dass sein Fahrzeug weitere, nicht kompatible Schäden aufweist, der Geschädigte dieses aber in Abrede stellt, um auch diese Schäden von dem Versicherer des Unfallverursachers ersetzt zu bekommen, so das Gericht.

Die Sache wäre nur dann anders zu entscheiden gewesen, wenn der Kläger durch einen detaillierte Angaben zu den verschiedenen Schäden und ihre Ursache gemacht hätte. Nur auf dieser Grundlage wäre es einem Sachverständigen gegebenenfalls möglich gewesen, festzustellen, welche Schäden von dem der Klage zu Grunde liegende Unfall stammen.

Da sich der Kläger auch nach Belehrung durch das Gericht weigerte, entsprechende Angaben zu machen und auf seiner These der Unfallfreiheit des Fahrzeuges beharrte, hat er keinerlei Anspruch auf Ersatz des von ihm behaupteten Fahrzeugschadens. (verpd)

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