12. Januar 2010
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Auf Lebensversicherungen
haben darüber hinaus noch weitere spezifische Faktoren Einfluss, z.B. Stornos, rückläufiges Neugeschäft, Garantiezins, Stille Lasten, Risikokapital (S. 116ff.) Gerade solche Exkurse, die hinter die (für Laien) Versicherungs-Mystik schauen, machen das auch in seiner Substanz so wertvoll. Zentraler Punkt, um den sich alle anderen Ausführungen ranken, ist der Abschnitt „Wie Lebensversicherer unser Geld angelegt haben“ (S. 97ff.) Da sich auch dieses Geld im Wirtschafts- und Finanzkreislauf befindet stehen also auch unsere Kunden-Gelder grundsätzlich im Risiko. Grandt weist nach, dass dieses Risiko alle Anlagemöglichkeiten von Lebensversicherungen betrifft.
Grandts Fazit:
„Vor Verlusten ist kein Lebensversicherer gefeit. Sie legen ja die Prämien ihrer Kunden (Sparanteile) auch am Kapitalmarkt an und garantieren eine Verzinsung von 2,25%. Die Konzerne haben das Geld ihrer Kunden aber häufig in bis dato sicher geglaubten Anleihen investiert, (...) Rangieren diese jedoch lange unter der Garantieverzinsung oder gehen die Unternehmen, die diese Anleihen auflegen gar pleite, dann wird es auch für die Versicherungen schnell eng. Denn sie müssten dann bei jeder Policenauszahlung drauflegen. Das dürfte auf Dauer kein Konzern aushalten“. (S. 131) Ohnehin zahlen deutsche Lebensversicherer jährlich rund 64 Milliarden Euro ihren Kunden aus. (S.140)
Wissenschaft oder Substanz?
Es ist müßig darüber zu streiten, ob Michael Grandt eher eine überaus faktenreiche populär-wissenschaftliche Abhandlung oder ein substanzreiches Sachbuch geschrieben hat, in welchem nachzuschlagen sich immer wieder lohnt. Für mich ist es beides. Nicht zuletzt deshalb weil der Autor immer wieder Gegenargumente zulässt, sich mit ihnen auseinandersetzt und selbst Dritten bzw. Adressaten seiner Kritik (BaFin Bundesamt für Finanzdienstaufsicht, GDV) Raum gibt, deren Positionen darzulegen. Das auf diesem Niveau auch ein umfassender, hochaktueller und bibliographisch korrekter Quellenapparat angefügt ist soll dennoch erwähnt sein. Insofern schmälert auch das eher unglückliche Eingangs-Zitat von Andre Heller nicht den Gehalt dieses Buches („Hast du Vertrauen in dich selbst, brauchst du keine Versicherung.“)
Dem durchaus schon erfolgreichen Buch sei eine noch weitere Verbreitung und Beachtung gewünscht. Ich selbst habe meine Lebensversicherung im Lichte des bekannten (Bundesgerichtshof) BGH-Urteils noch vor der Lektüre des Buches gekündigt, mit bezahlbarer professioneller Hilfe. Michael Grandt ruft nicht zur Kündigung auf und warnt vor übertriebener Panik. Und jede Lebenssituation ist anders. Wohl aber hat er den Rezensenten bei der Bewertung seiner Entscheidung auch im Nachgang in der Sache bestätigt. Mehr Dank und Anerkennung geht nicht.
* Michael Grandt. Der Crash der Lebensversicherungen. Die enttarnte Lüge von der angeblich sicheren Vorsorge. Rottenburg 2009. 173 S., 1. Aufl., Kopp Verlag Rottenburg. ISBN: 978-3-938516-97-3
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