27. Juli 2010
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Autor: Lutz Krause, freier Wirtschaftsjournalist. Kontakt, Telefon: 033436-376393
Endspiel, Griechenland ist überall!
Griechenland war gestern, jetzt geht es um Europa und seine aus politischen Motiven implementierte Einheitswährung, den Euro! Der im deutschen Volk ungeliebte Verdränger der einst so harten Deutsche-Mark ist zum Zielobjekt der internationalen Spekulanten avanciert. Und finanzpolitisch unbedarfte EU-Bürokraten verkünden medienwirksam die entschlossene Verteidigung der Kunstwährung. Nicht begreifend, dass sie damit nur die Schuldschein-Spielwiese für institutionelle Profizocker, Verwalter von Billionen US-Dollars, erweitern!
Freie Marktwirtschaft?
In diesem Zusammenhang drängt sich eine grundsätzliche Frage auf: Wieso blasen jetzt genau jene Politiker zum Kampf gegen ach so skrupellose Finanzmarktakteure, die sich sonst permanent zur „freien Marktwirtschaft“ bekennen? Zufall? Auftrag? Oder eine Neuauflage von „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“?
Der oft zitierte „Otto Normalverbraucher“ wurde über Jahrzehnte recht erfolgreich darauf konditioniert, sich für DAX und Dow zu interessieren, um an den täglichen Kursschwankungen mit der vermeintlich langfristigen Tendenz nach oben seinen Drang nach MEHR zu befriedigen: Spiel, mehr Spannung, mehr Unterhaltung, mehr Geld!
Bewusste Täuschung und Verschleierung
Diese Aktienfokussierung, die jeden Abend unmittelbar vor den Hauptnachrichten des öffentlich rechtlichen Fernsehens volkstümlich unterhaltsam genährt wird, verschleiert unserer Aufmerksamkeit das Wesentliche, nämlich den Blick auf unser täglich benutztes Geld! Das entsteht nämlich nicht am Aktienmarkt, sondern wird durch das internationale Bankensystem regelrecht aus dem Nichts erzeugt.
Billiges Geld, aber nicht für uns
Während dessen wir ihm unentwegt arbeitend hinterher laufen, um Lebensmittel, Lebensversicherungen oder Miete bezahlen zu können, rufen unsere Girokonten führenden Geschäftsbanken derzeit für einen Zinssatz um die 1Prozent pro Jahr bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Hunderte von Milliarden Euro ab! Und was tun sie damit? Nicht etwa zinsgünstige Kredite an produzierende Kleinbetrieb und Mittelstandfirmen vergeben, um Innovation und organisches Wachstum zu fördern. Nein, sie setzen diese de facto geschenkten Milliarden am Welt-Casinotisch ein und vermelden wieder Quartalsgewinne im „Investmentgeschäft“!
Es war ein charakteristisches Merkmal des in Dekadenz und Verschuldung untergehenden Römischen Reiches, dass Brot (= Transferleistungen an wachsende Unterschicht) und und Spiele (= Ablenkung der Massen) den Alltag bestimmten.
Mündelsicher in den Bankrott!
Und was hat das mit der „Rettung“ des griechischen Staates zu tun? Nun, dieses billige, virtuelle Geld, welches die EZB reichlich fließen lässt, muss besichert werden. So weit, so gut, denn für einen Eigenheimkredit verlangt die finanzierende Bank ja auch die Pfandsicherheit im Grundbuch. Wenn Sie, lieber Leser, jetzt jedoch erfahren, daß die EZB ab sofort auch Griechenlandanleihen als Sicherheit akzeptiert, also genau die Schuldpapiere jenes Landes, welches auch deutsche Steuerzahler mit über 22 Milliarden Euro retten dürfen, dann wird die Sache grotesk, oder!? Um im Bild zu bleiben: können Sie sich im Vergleich mit dieser Methode der „Besicherung“ vorstellen, dass Ihre Bank einen Rang im Grundbuch als z. B. zwölfter Gläubiger akzeptieren würde, wenn zugleich Ihre Zahlungsfähigkeit durch Arbeitslosigkeit bedroht ist und der Immobilienmarkt absackt?
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